Die Silberstadt und die Messerschmitthalle

datePosted on 20:38, Januar 30th, 2010 by admin

Ein weithin unbekanntes, dunkles Kapitel in der Geschichte der Silberstadt ist die Messerschmitthalle, eine unterirdische Fabrik nahe Schwaz. Gegen Ende des 2. Weltkrieges mussten Zwangsarbeiter in dieser Halle unter unmenschlichen Bedingungen Teile für Hitlers “Wunderwaffe”, die Messerschmitt-Me-262-Jagdbomber, herstellen.

Nach Ende des Krieges wurde die Geheimfabrik durch die französischen Besatzer entdeckt und gesprengt, und die Messerschmitthalle geriet mehr und mehr in Vergessenheit.

Screenshot (c) www.netz-gegen-nazis.de

Was hat das ganze mit “Thor Steinar” zutun?

Viele Artikel dieser Modemarke lassen eine positive Einstellung zum Nationalsozialismus durchblicken, nicht zuletzt das T-Shirt “Flugschule”. Neben dem Aufdruck “Flugschule Thor Steinar” sind darauf mehrere Messerschmitt-Me-262 abgebildet, eben jene Flieger, deren Teile auch in Schwaz hergestellt wurden. Sind die Träger von “Thor Steinar” ein paar Militärfreaks, die sich für die technisch sehr hoch entwickelten Messerschmitt-Jagdbomber interessieren? Wohl kaum, wenn man sich die anderen Thor-Steinar-Artikel genauer ansieht, wie es die Autoren der Broschüre “Investigate Thor Steinar” getan haben.

Man kann so zu dem Schluss kommen, die Betreiber des Thor-Steinar-Ladens in Schwaz würden durch die Verherrlichung der NS-Kriegsmaschinerie diesen Teil der Schwazer Geschichte gutheißen. Vielleicht wissen sie aber auch zu wenig über die Geschichte des “3. Reiches”. In jedem Fall würden wir ihnen einen Besuch in diversen Gedenkstätten empfehlen, verbunden mit einigen Nachhilfestunden in Geschichte. Vielleicht wollen sie ja anschließend genau wie wir “Thor Steinar” nicht länger im Land haben.

Links zum Thema:

http://de.wikipedia.org/wiki/Messerschmitt_Me_262

http://tirol.orf.at/stories/419734/

Me 262

orf.at: Höchst umstritten – Weinflaschen mit Hitler

datePosted on 13:55, Januar 12th, 2010 by admin

In vielen Ländern sind Devotionalien wie Kalender oder Flaschen mit Adolf Hitler oder Benito Mussolini verpönt und strafbar. In Südtirol aber gehen Artikel mit Mussolini und Hitler über den Ladentisch.

Adolf Hitler am Flaschenetikett
Bozens Geschäftsleute bieten ihren Kunden beispielsweise einen Hitler-Wein an. Andrea Guiato, Inhaber der Bar Roby in Bozen, zeigt ungeniert seine Weinflaschen her. Neben Kaiser Franz Joseph sticht ein Bild von Adolf Hitler, der Führer, hervor. Auch der Duce, Benito Mussolini, prangt neben dem Papst auf einem Wein-Etikett.

Weinflasche als Erinnerung
Viele würden diese Weinflaschen als Geschenk oder als Gag kaufen, sagt Guiato. Manche würden den Wein auch trinken und die Flasche als Andenken behalten, so der Barinhaber weiter.

In Österreich unvorstellbar
Der Fraktionssprecher der Südtiroler Volkspartei im Landtag, Elmar Pichler-Rolle ist über die Verharmlosung des Faschismus und Nationalsozialismus entsetzt. In Österreich, der Schweiz oder in Deutschland sei so etwas unmöglich, meint Elmar Pichler Rolle. Niemand würde sich getrauen, einen Adolf-Hitler-Wein in Verkaufsregale zu stellen.

Gesetze würden nicht eingehalten
In Italien würde man zwar Gesetz beschließen, sie dann aber nicht einhalten, so Pichler-Rolle. Die Verherrlichung des Faschismus sei in Italien eine Straftat.

Duce-Kalender in Tabak-Trafiken
Auch einen Duce-Kalender gibt es in Trafiken zu kaufen. Mussolinis diktatorische Sprüche sind darauf abgedruckt und auch sein Rutenbündel mit Beil.

Fehler der Geschichte nicht wiederholen
Die Meraner Gemeinderätin der Süd-Tiroler Freiheit, Reinhild Campidell ist schockiert, wie salopp dieses dunkle Kapitel Geschichte in Südtirol abgetan wird.

Wie das Verhalten vor allem vieler junger Menschen zeige, sei die Geschichte nicht richtig aufgearbeitet worden. Das müsse man jedoch tun, damit sich die Fehler nicht wiederholen würden, so Reinhild Campidell.

Behörden schreiten nicht ein
Die italienischen Behörden schreiten nicht ein. Vor zwei Jahren hatte Oberstaatsanwalt Cuno Tarfusser die Hitler-Flaschen zwar beschlagnahmt, die Anklage wurde aber fallen gelassen.

Zeitung “Österreich”: Nazi-Souvenirs am Adventmarkt

datePosted on 13:51, Januar 12th, 2010 by admin

Der Verkäufer beruft sich auf die „freie Meinungsäußerung“. Tatsächlich ist der öffentliche Verkauf von brauner Auslegware aber verboten?

Hakenkreuze und SS-Runen neben Christbaumkugeln und Stroh- Engerl: Der Flohmarkt auf dem Franziskanerplatz und dem Burggraben geht praktisch nahtlos in den Weihnachtsmarkt vor dem Goldenen Dachl über, der jährlich Zehntausende Touristen nach Innsbruck lockt.

ÖSTERREICH wurde von einem aufmerksamen Leser informiert, dass hier, direkt beim Eingang in die Altstadt, Nazi-Orden, SS-Stahlhelme und Hakenkreuz-Stempel verkauft werden.

„Meinungsfreiheit“
Ein Lokalaugenschein bestätigt das. Teilweise sind die Hakenkreuze mit roten Stickern verklebt, teilweise sind sie offen sichtbar. Die braunen Devotionalien sind noch immer vielen Ewiggestrigen einiges wert. Die Preise beginnen bei 270 Euro. „Was wollt’s denn? Das gehört zur freien Meinungsäußerung“, verteidigt sich ein Standbetreiber, als ihn ÖSTERREICH auf den rechten Bauchladen anspricht.

Trotzdem wird der Verkäufer nervös: Nur Minuten später fährt nämlich ein roter Kastenwagen vor. Die ausgestellten SS-Mützen werden rasch in einen Plastiksack gestopft, der verglaste Schaukasten, in dem Stempel mit Hakenkreuzen und Orden mit Reichsadlern liegen, werden in den Wagen verräumt.

Verbotsgesetz
Die Eile ist berechtigt, denn wie ÖSTERREICH auf Nachfrage in der Bundespolizeidirektion erfuhr, ist der öffentliche Verkauf von Orden und Uniformteilen aus dem Dritten Reich untersagt und wird nach dem Verbotsgesetz auch bestraft.

Ein Polizeijurist erklärte, man werde nun wieder verstärkt kontrollieren. In der Vergangenheit habe es immer wieder Probleme mit dem Verkauf der verbotenen Erinnerungsstücke gegeben. In jüngerer Vergangenheit sei es aber ruhig gewesen.

Quelle:
http://www.oe24.at/oesterreich/chronik…

Was ist “Thor Steinar”?

datePosted on 13:45, Januar 12th, 2010 by admin

Die Marke „Thor Steinar“ ist laut Verfassungsschutz Brandenburg
(Deutschland) „unter Rechtsextremisten beliebt und gilt als szenetypisches
Erkennungs- sowie Abgrenzungsmerkmal.“.
Ein deutsches Gericht stellte 2004 fest, dass die „Schöpfung des Namens
‘Steinar’ eine gewollte Anspielung auf den Namen des SS-Generals Felix
Steiner, der im 2. Weltkrieg die Division ‘Wiking’ der Waffen-SS führte“
vermuten lässt.
Im Sortiment der Marke finden sich unter anderem T-Shirts mit Aufdrucken
wie „Steinar Flugschule“ unter nazi-deutschen Jagdbombern oder
„Hausbesuche“ mit einem G36-Sturmgewehr. Auf der anderen Seite gibt sich
„Thor Steinar“ gerne unpolitisch, und versucht sich im Mainstream zu
etablieren und sich als normale Sport- und Freizeitkleidungsmarke darzustellen.

Mehr Informationen zur Marke und ihren Bezügen zum Rechtsextremismus
finden sich in der Broschüre „Investigate Thor Steinar“, die hier zu
finden ist: (PDF, 1,5 MB)

Seit etwa einem Jahr wird versucht, die Marke auch in Österreich zu
verbreiten, vorrangig über das Internet, aber auch über Ladengeschäfte in
Braunau am Inn und neuerdings in Schwaz. Der Onlineversandhandel amazon.de
hat „Thor Steinar“ nach zahlreichen Beschwerden bereits aus dem Sortiment
genommen.

Der Nazis neue Kleider

datePosted on 13:31, Januar 12th, 2010 by admin

Es wäre ein grober Fehler, Rechtsextremismus und Neofaschismus als „Jugend-“ oder „Randgruppen-Problem“ zu verharmlosen. Gleichzeitig dürfen die Bemühungen der Nazis, mittels „jugendlichem“ Image junge Menschen für sich zu gewinnen, nicht übersehen werden. Befasst man sich mit rechtsextremen Subkulturen, springen vor allem zwei Gruppen ins Auge: die Nazi-Skinhead-Szene und die neu aufgekommene, aus Deutschland übergeschwappte Szene der „Autonomen Nationalisten“.

Nazi-Skinheads:

Die Skinhead-Kultur entstand Ende der 60er-Jahre in England und war anfangs eine weitgehend unpolitische Jugendbewegung weißer und schwarzer Arbeiterkinder, die sich als Gegenbewegung zum bürgerlichen Establishment verstand und stolz auf ihre proletarische Herkunft war. In den 1970er-Jahren gelang es allerdings der „Britisch National Party“ und der „National Front“ Teile der Szene für rassistisches und neonazistisches Gedankengut zu gewinnen. Dieses Beispiel machte Schule und schwappte in den folgenden Jahren auch auf den Kontinent über, wo sich nun junge Nazis das Skinhead-Outfit zu Eigen machten. Heute ist die Skinhead-Szene sehr heterogen zusammengesetzt, neben den als „Boneheads“ bezeichneten Nazi-Skins gibt es unpolitische „Oi!“-Skins, antirassistische „SHARP“-Skins und die dezidiert linke „RASH“-Skinhead-Szene .

Das Verhältnis zwischen Nazi-Skinheads und der organisierten rechtsextremen Szene ist ambivalent: einerseits werden Nazi-Skins gerne fürs „Grobe“ eingesetzt (Saalschutz, Einschüchterung und Gewalt gegen politische GegnerInnen), andererseits kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen beiden. Während „Stiefelnazis“ in der rechten Szene den Ruf notorisch unzuverlässiger Radaubrüder haben, gelten die „Scheitel“-Nazis unter rechten Skins vielfach als verweichlicht und feige. Im Lied „Soldat des Führers“ der NS-Skinband „ Kraft durch Froide“ heißt es dazu, gewohnt poetisch für die „stolzesten“ Vertreter des Landes der Dichter und Denker:
„Du willst ein Soldat des Führers sein, aber du bist nur ein kleines fettes Schwein. Nickelbrille im Pickelgesicht, Wullstlippen, so etwas brauchen wir nicht. Fettiges Haar in die Stirn gekämmt, braune Augen blitzen mich dunkel an. Kantiges Gesicht, du bist ein Mann, du bist ein Sturmabteilungsmann; Landser lesen, Wochenschau sehen, mit dem Braunhemd in die Disko gehen. [...] Doch kommst du dann später wieder nach Haus, ist es mit deinen Träumen gleich wieder aus. Dein Alter schlägt dir ins Gesicht, denn er versteht deine Träume nicht.“

Ist von Neofaschismus die Rede, wird in den Massenmedien gerne das Bild kahlgeschorener, betrunkener und grölender junger Männer gezeichnet. Zwar darf die von Nazi-Skins ausgehende Gewalt keineswegs verharmlost werden, jedoch muss darauf hingewiesen werden, dass diese Bilder eine für die bürgerliche Gesellschaft entlastende Funktion haben. Rechtsextremismus wird auf diese Weise als Problem jugendlicher Randgruppen heruntergespielt. Dass für Rechtsextreme hierzulande aber auch Platz auf bestens bezahlten Parlamentssitzen ist und rassistische Stereotype bis weit in die sogenannte „gesellschaftliche Mitte“ verbreitet sind und von dieser tradiert werden, kann so gemütlich ausgeblendet werden.

„Autonome Nationalisten“

Die Anfänge der „Autonomen Nationalisten“ gehen in die frühen 1990er-Jahre zurück, als Neonazis zum Schutz vor dem Zugriff der Justiz Konzepte der autonomen Linken kopierten und sich lose in regional operierenden Kleingruppen organisierten. Während anfangs nur die Aktionsformen übernommen wurden, begann man ab etwa 2002 auch linke Symbolik und Losungen in modifizierter Form nachzuahmen. Frakturschrift, Trachtenanzüge und 3.-Reichs-Folklore wurden damit zunehmend durch Hip-Hop-Schriftzüge, Kapuzenpullover und Pali-Tücher ersetzt, die als alternativ bzw. links geltend unter Nazis bisher verpönt waren. Die neuen Kleider bedeuten aber keineswegs eine Neuerung der politischen Ausrichtung. Im Gegenteil, gerade die „Autonomen Nationalisten“ heben sich durch besondere Gewalttätigkeit und ungenierte Anlehnung an den „Nationalsozialismus“ hervor. Das neue „Styling“ hat insbesondere den Zweck, das verstaubte Image „ewiggestriger“ Rechtsextremisten aufzupolieren um damit jugendliche Subkulturen aller Art zu unterwandern und mit faschistischen Inhalten zu füllen.

Inhaltlich stilisieren sich die „Autonomen Nationalisten“ in pseudorevolutionärer Manier zu Kämpfern gegen „das System“, aus welchem angeblich einzig der „nationale Sozialismus“ einen Ausweg verspricht. Damit knüpfen sie direkt an die Taktik der NSDAP der 20er- und frühen 30er-Jahre an, wobei sie sich selbst gerne in der Tradition der SA sehen. Wie ihre geistigen Ahnen haben auch die „Autonomen Nationalisten“ die Aufgabe, Unzufriedenheit in systemstabilisierende Bahnen zu lenken. Die Agitation für den „nationalen Sozialismus“ – zu Zeiten des Kalten Krieges von den Faschisten weitgehend abgelehnt – ist dabei auch in Zusammenhang mit der zunehmenden Ablehnung des Kapitalismus zu begreifen.

Im Gegensatz zu Deutschland sind die „Autonomen Nationalisten“ in Österreich gegenwärtig noch eine Randerscheinung, durch den massiven Austausch der Szene beider Länder ist jedoch in den kommenden Jahren mit einem Bedeutungsanstieg dieses Phänomens zu rechnen. Die antifaschistische Bewegung stellt dies vor die Aufgabe entsprechende Gegenstrategien zu finden.

Codes, Marken und Begriffe

Eng verknüpft mit dem Bemühen um einen neuen „Lifestyle“ der Nazi-Szene sind auch die Verwendung von Codes und die Versuche, rechtsextreme Marken zu etablieren. Damit sollen neonazistische Inhalte weniger plump transportiert werden, Szene-Zugehörigen aber trotzdem die eigene Gesinnung signalisiert werden.

Dazu dienen insbesondere folgende Zahlen-Codes, die sich meist auf den jeweiligen Buchstaben im Alphabet beziehen:

18 AH „Adolf Hitler“
28 BH „Blood & Honour“
88 HH „Heil Hitler“
311 KKK (= 3 x 11. Buchstabe) „Ku-Klux-Klan“
444 DdD „Deutschland den Deutschen“
14 „fourteen words“ „Wir müssen die Existenz unseres Volkes und auch die Zukunft unserer weißen Kinder sichern“ (David Lane)

Ebenfalls in der Nazi-Szene werden Buchstaben-Codes verwendet, wie folgende:

B&H „Blood & Honour“
RAHOWA „Racial Holy war“
WP „White Power“
ZOG „Zionist Occupied Government“

In der rechtsextremen Szene gerne getragen werden unter anderem folgende Kleidungsmarken :

Alpha Industries Das Logo der Marke ähnelt dem verbotenen Zivilabzeichen der SA, die US-amerikanische Marke steht selbst in keinerlei Verbindung zur Nazi-Szene
Consdaple Verwendet wegen der Buchstabenkombination NSDAP im Wort, die Marke ist der Neonazi-Szene zuzurechnen
Fred Perry Traditionell von Skinheads getragene und von Neonazis übernommene englische Marke, die die Auslieferung an rechte Versandhäuser stoppte
Lonsdale Wegen der Buchstabenkombination „NSDA“ im Wort getragen, die Marke distanziert unter dem Motto „Lonsdale loves all colours“ von der rechten Szene
Masterrace Steht übersetzt für „Herrenrasse“, Marke aus dem rechten Milieu
Thor Steinar Versuch, modisches Auftreten und rechte Aussage diskret zu verbinden, den Betreibern werden Kontakte zur Nazi-Szene nachgesagt
Wahlhall Germany Von einem wegen Volksverhetzung verurteilten Neonazi betriebene Marke

Wenn Neonazis zur Feder greifen, entbehrt dies oft nicht einer unfreiwilligen Komik. Wissenschaftliche Publikationen, die Originalzitate anführen, kommen selten ohne die Anmerkung „Fehler im Original“ aus. Besonders zeichnen sich neonazistische Schriftstück aber durch die Verwendung von Codes und symbolischen Begriffen auf, folgende Auflistung soll deren Entzifferung erleichtern:

Besatzung: Soll in seinen unterschiedlichen Abwandlungen (Besatzungsregime, Besatzerpresse)signalisieren, dass Deutschland 1945 nicht befreit sondern besetzt wurde
Bombenholocaust / Vertriebenenholocaust: Durch Vergleiche mit den Geschehnissen im Verlauf des 2. Weltkrieges soll die millionenfache Ermordung von Jüdinnen und Juden relativiert werden
Deutsche Österreicher: Diese Formulierung soll die Zugehörigkeit Österreichs (= Ostmark) zu Deutschland signalisieren
Faschismuskeule: Diese wird angeblich von AntifaschistInnen geschwungen um wohlmeinenden „Nationalen“ zu schaden
Mitteldeutschland: Bezeichnung für Ostdeutschland, da für Neonazis breite Teile Osteuropas zu „Deutschland“ gehören
Ostermond, Ernting etc.: Die germanischen Monatsnamen erfreuen sich auch der Beliebtheit bei Rechtsextremen
Ostküste: Gemeint ist die Ostküste der USA, gilt als Synonym für das „internationale Finanzjudentum“
Ostmark: Direkt aus dem NS-Jargon übernommene Bezeichnung für Österreich, das von Neonazis noch immer als Teil Deutschlands gesehen wird
Politische Verfolgung: Als „Politische Verfolgung“ wird von Neonazi-Kreisen die Anwendung des NS-Verbotsgesetzes bezeichnet
Sühneprediger: Als solche gelten Neonazis jene, die an die faschistischen Verbrechen erinnern; gesprochen wird in diesem Zusammenhang auch von „Schuldneurose“ u.ä.
Zinsknechtschaft: Geht zurück auf den NS-Ideologen Feder; knüpft an die Vorstellungen vom jüdisch-dominierten „raffenden“ Kapital an

Brauntöne

Eine besondere Bedeutung bei der Verbreitung neonazistischen Gedankenguts kommt der Musik zu. Der österreichische Verfassungsschutzbericht von 2007 urteilte darüber: „Primär ist es die Musik die den Weg in die rechtsextreme Szene ebnet“. Die ursprünglich von Marschmusik und Rechtsrock dominierte rechte Klangwelt ist in den vergangenen Jahren wesentlich breiter geworden und soll hier in einem kleinen Überblick dargestellt werden:

Rechtsrock / „Rock Against Communism“
Die Anfänge des „Rechtsrock“ sind in etwa zeitgleich mit den Bemühungen englischer Rechtsextremisten, Teile der Skinhead-Szene für sich zu gewinnen, anzusiedeln. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Band „Skrewdriver“ um den Sänger Ian Stuart Donaldson zu, der einer der Gründer des „Blood & Honour“-Netzwerks war. Zu einer Blüte gelangte der Rechtsrock in den frühen 90er-Jahren in Deutschland. Waren die Texte anfangs noch verhalten rassistisch, dominierten bald ein offener Bezug zum Nationalsozialismus und der Aufruf zu Gewalt gegen MigrantInnen und politische GegnerInnen. Dazu kommen Verherrlichung als auch Leugnung des Holocausts. So heißt es etwa im „Afrika-Lied“ von Landser: „Afrika für Affen, Europa für Weiße/Steckt die Affen in ein Klo/Und spült sie weg wie Scheiße“. In einem Lied der Gruppe „Endsieg“ heißt es gar: „Steckt sie in den Kerker, schickt sie ins KZ,/oder von mir aus in die Wüste, aber schickt sie endlich weg./Tötet ihre Kinder, schändet ihre Frauen …“. Zu den wichtigsten Rechtsrock-Bands zählten bzw. zählen „Landser“, „Störkraft“, „Kraft durch Froide“, „Stahlgewitter“, „Spreegeschwader“ oder die „Zillertaler Türkenjäger“. Bekannte österreichische Vertreter dieses Genres sind bzw. waren die Bands „Service Crew Vienna“, „Tollschock“ und „Stonehead“.

Liedermacher
Mit sanfter Melodie, aber umso härteren Texten haben sich diverse neonazistische Liedermacher in den vergangenen Jahren auch unter jungen Rechtsextremisten ein Publikum erspielt. Zu unrühmlicher Bekanntheit brachte es etwa der „Liedermacher“ Michael Müller, der einst bei der Wiener Burschenschaft Olympia sang: „Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an.“ Eine weitere Größe in der Szene ist Frank Rennicke, einst Mitglied der mittlerweile verbotenen Wiking-Jugend und heute NPD-Mitglied. Typische Themen der „nationalen Liedermacher“ sind die Glorifizierung der Wehrmacht, Rassismus und Antisemitismus sowie der angebliche „Tod des deutschen Volkes“.

Hip Hop
Frauenfeindliche und homophobe Tendenzen sind in manchen Teilen der Hip Hop-Szene leider weit verbreitet, nun wird in Randbereichen von Rechtsextremisten versucht, einen „nationalen Sprechgesang“ zu etablieren. Was bei scheinbar harmlosen mit Sprüchen wie „Türken werden immer reicher und Deutsche immer ärmer“ (MC Pain) beginnt, endet schließlich bei Rap-Gruppen wie „DissauCrime“, die auf ihrem Album „Zyklon D Frontalangriff“ verkünden: „Ich schieß mit der Flak auf das ganze Judenpack“.

National Socialist Black Metal (NSBM)
„National Socialist Black Metal“ stellt das Hauptrekrutierungsfeld von Neonazis in der Metal-Szene dar. Wurden die langhaarigen Metalfans früher als Feindbild gesehen, entdeckten Rechtsextreme Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre Black Metal als Betätigungsfeld. Schnell tauchten die ersten NSBM-Bands auf und die NSBM-„Kultur“ erfreute sich bald reger Konzertaktivität. Mittlerweile existieren im Untergrund zahllose NSBM-Bands, vor allem in Osteuropa, Deutschland und Skandinavien, aber auch in Österreich und vielen anderen Ländern.

Grundsätzlich muss scharf zwischen gewöhnlichem Black Metal und NSBM unterschieden werden. Da im Black Metal grundsätzlich menschen- und christenverachtende, sowie kriegsverherrlichende Texte als Stilmittel verbreitet sind, werden oft Bands fälschlicherweise als NSBM-Bands bezeichnet. NSBM-Bands zeichnen sich durch klar identifizierbare nationalsozialistische Texte und Symbolik aus, viele Bands sparen sich das herumhantieren mit Runen und anderen legalen Symbolen und verwenden einfach Hakenkreuze in ihren Bandlogen. Sie nehmen starken Bezug auf den alt-germanischen Asenglauben und legen die Edda als Darstellung der Überlegenheit der germanischen Rasse aus. Auf Konzerten wird offen der Hitlergruß verwendet, während den Pausen nationalsozialistische Lieder gesungen. Die deutschen NSBM-Bands zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie sehr intensiv mit zahlreichen illegalen rechtsextremen Gruppierungen zusammenarbeiten oder direkt Mitglieder sind, dabei ist besonders die Arbeit bei und mit „Blood & Honor“ zu betonen. Darüber hinaus gibt es aber auch Kontakte zur NPD.

NSBM-Konzerte werden gewöhnlich konspirativ organisiert und erst kurz vorher bekanntgegeben. Um ihren Einfluss auf die Black Metal-Szene weiter zu festigen, kommen zu diesen Konzerten auch oft Nazis, die mit solcher Musik normalerweise nichts am Hut haben. Die wohl bekannteste NSBM-Band ist Burzum, eine Ein-Mann-Band von Kristian „Varg“ Vikernes aus Norwegen. Vikernes fiel durch den Mord an Øystein „Euronymous“ Aarseth auf. In diesem, sowie im Fall der Brandstiftung an drei norwegischen Kirchen, der versuchten Brandstiftung an einer weiteren und dem Besitz von Waffen und Sprengstoff, mit dem er laut eigener Aussage das Norwegische Parlament sprengen wollte, wurde er zu einer 21-jährigen Haftstrafe verurteilt, die er seit 1994 absitzt. Aufgrund seiner wiederholt NS-verherrlichenden Äußerungen und seiner Gewaltbereitschaft, die er 2001 durch einen bewaffneten Ausbruchsversuch unter Beweis stellte, wurden bereits mehrere Gnadengesuche abgelehnt. In Deutschland sorgte die NSBM-Band Absurd ebenfalls mit einem Mord am 15-jährigen Sandro Beyer, den sie für „lebensunwürdig“ erachteten, für Aufsehen. Im Lieder der Band „Germanien über alles“ heißt es etwa über die SS: „In den Divisionen Wiking und Nordland waren geeint, unsre Ahnen unerschütterlich für das Reich gegen den Feind. Ihre Ehre die hieß Treue, in den Adern floss ein arisch Blut“. Die Band ist heute noch unter anderer Besetzung aktiv.

Quelle:

“Antifa-Broschüre. Begleitheft zur Kampagne ‘Aktiv gegen Rechts!’” der KJÖ
http://www.kjoe.at/article.php?story=20090323180036436

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