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Archive for ‘Brauntöne - Rechte Musik’ Category
Es wäre ein grober Fehler, Rechtsextremismus und Neofaschismus als „Jugend-“ oder „Randgruppen-Problem“ zu verharmlosen. Gleichzeitig dürfen die Bemühungen der Nazis, mittels „jugendlichem“ Image junge Menschen für sich zu gewinnen, nicht übersehen werden. Befasst man sich mit rechtsextremen Subkulturen, springen vor allem zwei Gruppen ins Auge: die Nazi-Skinhead-Szene und die neu aufgekommene, aus Deutschland übergeschwappte Szene der „Autonomen Nationalisten“. Nazi-Skinheads: Die Skinhead-Kultur entstand Ende der 60er-Jahre in England und war anfangs eine weitgehend unpolitische Jugendbewegung weißer und schwarzer Arbeiterkinder, die sich als Gegenbewegung zum bürgerlichen Establishment verstand und stolz auf ihre proletarische Herkunft war. In den 1970er-Jahren gelang es allerdings der „Britisch National Party“ und der „National Front“ Teile der Szene für rassistisches und neonazistisches Gedankengut zu gewinnen. Dieses Beispiel machte Schule und schwappte in den folgenden Jahren auch auf den Kontinent über, wo sich nun junge Nazis das Skinhead-Outfit zu Eigen machten. Heute ist die Skinhead-Szene sehr heterogen zusammengesetzt, neben den als „Boneheads“ bezeichneten Nazi-Skins gibt es unpolitische „Oi!“-Skins, antirassistische „SHARP“-Skins und die dezidiert linke „RASH“-Skinhead-Szene . Das Verhältnis zwischen Nazi-Skinheads und der organisierten rechtsextremen Szene ist ambivalent: einerseits werden Nazi-Skins gerne fürs „Grobe“ eingesetzt (Saalschutz, Einschüchterung und Gewalt gegen politische GegnerInnen), andererseits kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen beiden. Während „Stiefelnazis“ in der rechten Szene den Ruf notorisch unzuverlässiger Radaubrüder haben, gelten die „Scheitel“-Nazis unter rechten Skins vielfach als verweichlicht und feige. Im Lied „Soldat des Führers“ der NS-Skinband „ Kraft durch Froide“ heißt es dazu, gewohnt poetisch für die „stolzesten“ Vertreter des Landes der Dichter und Denker: Ist von Neofaschismus die Rede, wird in den Massenmedien gerne das Bild kahlgeschorener, betrunkener und grölender junger Männer gezeichnet. Zwar darf die von Nazi-Skins ausgehende Gewalt keineswegs verharmlost werden, jedoch muss darauf hingewiesen werden, dass diese Bilder eine für die bürgerliche Gesellschaft entlastende Funktion haben. Rechtsextremismus wird auf diese Weise als Problem jugendlicher Randgruppen heruntergespielt. Dass für Rechtsextreme hierzulande aber auch Platz auf bestens bezahlten Parlamentssitzen ist und rassistische Stereotype bis weit in die sogenannte „gesellschaftliche Mitte“ verbreitet sind und von dieser tradiert werden, kann so gemütlich ausgeblendet werden. „Autonome Nationalisten“ Die Anfänge der „Autonomen Nationalisten“ gehen in die frühen 1990er-Jahre zurück, als Neonazis zum Schutz vor dem Zugriff der Justiz Konzepte der autonomen Linken kopierten und sich lose in regional operierenden Kleingruppen organisierten. Während anfangs nur die Aktionsformen übernommen wurden, begann man ab etwa 2002 auch linke Symbolik und Losungen in modifizierter Form nachzuahmen. Frakturschrift, Trachtenanzüge und 3.-Reichs-Folklore wurden damit zunehmend durch Hip-Hop-Schriftzüge, Kapuzenpullover und Pali-Tücher ersetzt, die als alternativ bzw. links geltend unter Nazis bisher verpönt waren. Die neuen Kleider bedeuten aber keineswegs eine Neuerung der politischen Ausrichtung. Im Gegenteil, gerade die „Autonomen Nationalisten“ heben sich durch besondere Gewalttätigkeit und ungenierte Anlehnung an den „Nationalsozialismus“ hervor. Das neue „Styling“ hat insbesondere den Zweck, das verstaubte Image „ewiggestriger“ Rechtsextremisten aufzupolieren um damit jugendliche Subkulturen aller Art zu unterwandern und mit faschistischen Inhalten zu füllen. Inhaltlich stilisieren sich die „Autonomen Nationalisten“ in pseudorevolutionärer Manier zu Kämpfern gegen „das System“, aus welchem angeblich einzig der „nationale Sozialismus“ einen Ausweg verspricht. Damit knüpfen sie direkt an die Taktik der NSDAP der 20er- und frühen 30er-Jahre an, wobei sie sich selbst gerne in der Tradition der SA sehen. Wie ihre geistigen Ahnen haben auch die „Autonomen Nationalisten“ die Aufgabe, Unzufriedenheit in systemstabilisierende Bahnen zu lenken. Die Agitation für den „nationalen Sozialismus“ – zu Zeiten des Kalten Krieges von den Faschisten weitgehend abgelehnt – ist dabei auch in Zusammenhang mit der zunehmenden Ablehnung des Kapitalismus zu begreifen. Im Gegensatz zu Deutschland sind die „Autonomen Nationalisten“ in Österreich gegenwärtig noch eine Randerscheinung, durch den massiven Austausch der Szene beider Länder ist jedoch in den kommenden Jahren mit einem Bedeutungsanstieg dieses Phänomens zu rechnen. Die antifaschistische Bewegung stellt dies vor die Aufgabe entsprechende Gegenstrategien zu finden. Codes, Marken und Begriffe Eng verknüpft mit dem Bemühen um einen neuen „Lifestyle“ der Nazi-Szene sind auch die Verwendung von Codes und die Versuche, rechtsextreme Marken zu etablieren. Damit sollen neonazistische Inhalte weniger plump transportiert werden, Szene-Zugehörigen aber trotzdem die eigene Gesinnung signalisiert werden. Dazu dienen insbesondere folgende Zahlen-Codes, die sich meist auf den jeweiligen Buchstaben im Alphabet beziehen: 18 AH „Adolf Hitler“ Ebenfalls in der Nazi-Szene werden Buchstaben-Codes verwendet, wie folgende: B&H „Blood & Honour“ In der rechtsextremen Szene gerne getragen werden unter anderem folgende Kleidungsmarken : Alpha Industries Das Logo der Marke ähnelt dem verbotenen Zivilabzeichen der SA, die US-amerikanische Marke steht selbst in keinerlei Verbindung zur Nazi-Szene Wenn Neonazis zur Feder greifen, entbehrt dies oft nicht einer unfreiwilligen Komik. Wissenschaftliche Publikationen, die Originalzitate anführen, kommen selten ohne die Anmerkung „Fehler im Original“ aus. Besonders zeichnen sich neonazistische Schriftstück aber durch die Verwendung von Codes und symbolischen Begriffen auf, folgende Auflistung soll deren Entzifferung erleichtern: Besatzung: Soll in seinen unterschiedlichen Abwandlungen (Besatzungsregime, Besatzerpresse)signalisieren, dass Deutschland 1945 nicht befreit sondern besetzt wurde Brauntöne Eine besondere Bedeutung bei der Verbreitung neonazistischen Gedankenguts kommt der Musik zu. Der österreichische Verfassungsschutzbericht von 2007 urteilte darüber: „Primär ist es die Musik die den Weg in die rechtsextreme Szene ebnet“. Die ursprünglich von Marschmusik und Rechtsrock dominierte rechte Klangwelt ist in den vergangenen Jahren wesentlich breiter geworden und soll hier in einem kleinen Überblick dargestellt werden: Rechtsrock / „Rock Against Communism“ Liedermacher Hip Hop National Socialist Black Metal (NSBM) Grundsätzlich muss scharf zwischen gewöhnlichem Black Metal und NSBM unterschieden werden. Da im Black Metal grundsätzlich menschen- und christenverachtende, sowie kriegsverherrlichende Texte als Stilmittel verbreitet sind, werden oft Bands fälschlicherweise als NSBM-Bands bezeichnet. NSBM-Bands zeichnen sich durch klar identifizierbare nationalsozialistische Texte und Symbolik aus, viele Bands sparen sich das herumhantieren mit Runen und anderen legalen Symbolen und verwenden einfach Hakenkreuze in ihren Bandlogen. Sie nehmen starken Bezug auf den alt-germanischen Asenglauben und legen die Edda als Darstellung der Überlegenheit der germanischen Rasse aus. Auf Konzerten wird offen der Hitlergruß verwendet, während den Pausen nationalsozialistische Lieder gesungen. Die deutschen NSBM-Bands zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie sehr intensiv mit zahlreichen illegalen rechtsextremen Gruppierungen zusammenarbeiten oder direkt Mitglieder sind, dabei ist besonders die Arbeit bei und mit „Blood & Honor“ zu betonen. Darüber hinaus gibt es aber auch Kontakte zur NPD. NSBM-Konzerte werden gewöhnlich konspirativ organisiert und erst kurz vorher bekanntgegeben. Um ihren Einfluss auf die Black Metal-Szene weiter zu festigen, kommen zu diesen Konzerten auch oft Nazis, die mit solcher Musik normalerweise nichts am Hut haben. Die wohl bekannteste NSBM-Band ist Burzum, eine Ein-Mann-Band von Kristian „Varg“ Vikernes aus Norwegen. Vikernes fiel durch den Mord an Øystein „Euronymous“ Aarseth auf. In diesem, sowie im Fall der Brandstiftung an drei norwegischen Kirchen, der versuchten Brandstiftung an einer weiteren und dem Besitz von Waffen und Sprengstoff, mit dem er laut eigener Aussage das Norwegische Parlament sprengen wollte, wurde er zu einer 21-jährigen Haftstrafe verurteilt, die er seit 1994 absitzt. Aufgrund seiner wiederholt NS-verherrlichenden Äußerungen und seiner Gewaltbereitschaft, die er 2001 durch einen bewaffneten Ausbruchsversuch unter Beweis stellte, wurden bereits mehrere Gnadengesuche abgelehnt. In Deutschland sorgte die NSBM-Band Absurd ebenfalls mit einem Mord am 15-jährigen Sandro Beyer, den sie für „lebensunwürdig“ erachteten, für Aufsehen. Im Lieder der Band „Germanien über alles“ heißt es etwa über die SS: „In den Divisionen Wiking und Nordland waren geeint, unsre Ahnen unerschütterlich für das Reich gegen den Feind. Ihre Ehre die hieß Treue, in den Adern floss ein arisch Blut“. Die Band ist heute noch unter anderer Besetzung aktiv. Quelle:“Antifa-Broschüre. Begleitheft zur Kampagne ‘Aktiv gegen Rechts!’” der KJÖ Über die politische Unterwanderung einer Jugendkultur Ein rechtsextremes „Dunkelheitsfest“, ein Black-Metal-Konzert, das zunächst in NÖ und dann in Graz geplant war, sorgte für öffentliche Proteste der SJ, die schließlich zum Scheitern der Veranstaltung beitrugen. Was aber steht hinter den rechten Versuchen, bestimmte Jugendkulturen zu unterwandern? Musik ist mehr als nur das Geklimper im Radio, das zwischen der Werbung als Unterbrechung kommt, sondern verfügt über eine emotionale Funktion. Mittels Musik können Verbindungen und Abgrenzungen zu anderen geschaffen werden. Musik umfasst daher eine tiefgehende politische und soziale Komponente und ist eine Ebene kultureller Auseinandersetzung, um politische Macht und Einfluss. Musik als Instrument der Ideologievermittlung Dieses war Ian Stuart, Mitglied der Nazi-Skinband Skrewdriver und späterer Mitgründer des in Deutschland mittlerweile verbotenen Neonazi- Netzwerks Blood & Honor bewusst, als er vor gut 20 Jahren formulierte: „Viele finden die Politik, parteipolitisch gesehen, langweilig [...]. Es ist doch viel angenehmer, mit anderen ein Konzert zu besuchen und Spaß zu haben, als in eine politische Versammlung zu gehen.“ Skrewdriver waren die ersten, die neue Erscheinungsformen der Jugendkultur – in ihrem Fall Punk – mit alten Botschaften vermischten. Den Rechten war klar, dass über die konventionelle Schiene der politischen Agitation sie nicht den entsprechenden Zulauf gewinnen würden. Die alternative Jugendkultur mit ihrer Anti-Mainstream-Attitüde war eine Möglichkeit für das Ansprechen von Jugendlichen. Anti-Mainstream- Attitüde aber in diesem Fall nicht als eine Ablehnung des „rechten/ kommerziellen Mainstreams“, wie es aus linker Sichtweise passiert, sondern aus einer rechten Lesart als Ablehnung des „linken Tugendterror“ oder gegen die „kommerzielle Entgeistigung“. Die Rechte begann damit an das Konzept der kulturellen Hegemonie des italienischen Marxisten Antonio Gramsci anzuknüpfen. Sie begann „alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen“, in dem sie an die geänderten Lebensrealitäten und jugendkulturellen Ausdrucksformen anknüpfte, ohne die Inhalte zu verändern. Der Aufstieg des Black Metal Black Metal (BM) definiert sich per se als unpolitisch, und auch die meisten seiner Fans würden jede Beziehung dieser Musik zur Politik abstreiten. Unter der Oberfläche jedoch sind zahlreiche Schnittflächen zwischen Black Metal und Rechtsextremismus erkennbar, die sich aus der geschichtlichen Entwicklung des BM ableiten lassen. Begonnen hat die Entstehung Anfang der 80er-Jahre als Weiterentwicklung des Heavy Metals, der sein Erneuerungspotenzial für die Musikentwicklung erschöpft hatte. Der Devise „schneller, lauter, härter“ folgend, hatte die britische Band Venom das Album „Black Metal“ eingespielt – auf dieses geht die Bezeichnung der Musikrichtung zurück. Die Abkehr von der Mehrheit wurde als Anti- These zum christlich-humanistischen Mainstream formuliert. Man wollte ganz „shocking“ sein und hatte ein extrem elitär-individualistisches Bewusstsein. 1984 veröffentlichte die schwedische Band Bathory ihr gleichnamiges Album, welches die weitere Entwicklung durch einen rauen Proberaum- Sound musikalisch formte. Die schwarze Braunzone Nach einer Flaute Ende der 80er-Jahre erhielt der BM neue Impulse durch die so genannte „zweite Generation“, die in Norwegen ihren Ursprung rund um die Band Mayhem hatte. Sie griffen den rauen Bathory Sound auf und drehten an der Provokationsschraube zur Steigerung der elitären Authentizität. Mayhem stand im Mittelpunkt der Entwicklung des „Inner Circle“ rund um den Plattenladen Helvete (dt. Hölle), der 1991 in Oslo eröffnet wurde. Dem Kern des „Inner Circle“ wird die Verantwortung für die Kirchenbrände Anfang der 90er-Jahre in Norwegen zugeschrieben. Vikernes begründete den Mord an Euronymus mit der kommunistischen Einstellung bzw. Homosexualität des Opfers, was ihm einen unglaublichen Glaubwürdigkeitsgewinn in der rechten Szene zu Teil werden ließ und ihm erlaubte, aus dem Gefängnis heraus entscheidend auf die Vorgänge vor den schwedischen Gardinen Einfluss zu nehmen. Der rechte Zweig im Black Metal War Black Metal bis dahin von einer grundsätzlichen Anfälligkeit für rechte Ideologie geprägt – siehe Ablehnung des „judeo-christlichen“ Weltbildes, Elitendenken, Huldigung nordisch-arischer Werte, Sozialdarwinismus, etc. – kam es Anfang der 90er zu tatsächlichen Verknüpfungen zwischen rechter Polit-AktivitstInnen- Szene und dem BM. Aus dem Gefängnis heraus gründete Vikernes die „Norwegische Heidnische Front“ (später auch als „Allgermanische Heidnische Front“ bezeichnet), während er musikalisch mit der Ein-Mann-Band Burzum den NS-BM begründete. Dass er damit prägend wirkt(e), ist bis heute daran erkennbar, dass von fast jedem BM-Versandhaus Burzum Tonträger vertrieben werden und unzählige Bands sich in Interviews auf Burzum beziehen. Ähnlich wie in Norwegen war es auch in Deutschland ein Mord, der die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Querverbindungen zwischen BM und Rechter Szene lenkte. Im April 1993 töteten Mitglieder der Band Absurd einen Klassenkollegen mit satanistischen Praktiken. Der Haupttäter Hendrik Möbus wurde durch die Tat, aber vor allem durch die Begründung des Mordes über Nacht zum Szene-Idol der Rechten. Er wurde zu einer mehrjährigen Jugendhaftstrafte verurteilt, jedoch im Frühjahr 1998 entlassen, worauf er umgehend sein Engagement wieder aufnahm. Er gründete das Label „Darker than Black (DTB)“ und – die Idee Vikernes aufgreifend – die „Deutsche Heidnische Front (DHF)“, beide als Bindeglieder zur Rechten Szene. Mittels der DHF knüpfte er an das schon oben erwähnte Blood & Honor-Netzwerk an, während durch das DTB-Label die Musik über den Kreis der Metal-Fans hinaus populär gemacht wurde, während rechte Ideologie erstmalig auch den Kreis der „unpolitischen“ bzw. präziser formuliert, politisch nicht organisierten Metal Fans erreichte. Black Metal ohne Rechte Spätestens seit Anfang/Mitte der 90er-Jahre steht der rechte Zweig des Black Metal in Deutschland ebenso wie Skin- und Rechtsrock unter Beobachtung von Verfassungsschutz und Zivilgesellschaft, wie zum Beispiel die Kampagne turnitdown.de belegt. Wie schon mehrfach angedeutet, geht es nicht darum, Fans der „schwarzen Musik“ per se in ein rechtes Eck zu stellen – vielen wäre hier grobes Unrecht angetan. Anlässe, wie das „Dunkelheitsfest“ oder Blood-and- Honour-Konzerte in Vorarlberg zeigen aber, dass es auch in Österreich notwendig ist, Versuche von Rechten, Jugendkulturen zu unterwandern und für sich zu vereinnahmen, zu beobachten und zu bekämpfen. Quelle:Torsten Engelage Rockbands als kriminelle Vereinigungen, rechte Liedermacher, Antisemitismus bei der Love-Parade und nordische Kämpfer für ein deutsches Volk – ein Streifzug durch die Untiefen rechter Jugendkultur. Rechtsrock Nicht nur juristisch Interessierte kamen etwas ins Staunen als die Neonazi-Rockband „Landser“ 2003 wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt wurde. Landser wurde vorgeworfen die „Beseitigung von Juden und Ausländern durch Mord und Vertreibung zu propagieren“ und dabei konspirativ vorzugehen. Eine Rockband als kriminelle Vereinigung, das war selbst für die ansonsten nicht zimperliche Rechtsrock-Szene eine neue Qualität. Als „Gründungsvater“ der Rechtsrockszene gilt im allgemeinen Ian Stuart Donaldson, Sänger der prototypischen Neonazi-Skinband „Skrewdriver“, die vor allem in Deutschland erfolgreich war. Donaldson gilt als Initiator von „Rock against communism“ einer Gegenbewegung zu „Rock against racism“ und gründete Mitte der 80er Jahre das neonazistische Blood&Honour-Netzwerk. Der Name bezieht sich auf „Blut und Ehre“, einen Fahneneid der Hitlerjugend. Donaldsons selbsternanntes Ziel war es, „mittels der Musik den Jugendlichen den Nationalsozialismus näher zu bringen“. So agiert Blood&Honour auch als international tätiges Netzwerk, über das vor allem Tonträger aber auch sonstiges Propagandamaterial vertrieben wird. Von B&H organisierte Konzerte dienen zu einem guten Teil der sozialen Festigung der rechten Szene, sind aber ebenso Umschlagplätze für Infomaterial und Foren für strategische Fragen. In Deutschland ist diese Organisation seit 2000 offiziell verboten aber nach wie vor aktiv, auch über Landesgrenzen hinweg (z.B. Österreich). Donaldson starb 1993 bei einem selbstverschuldeten Autounfall und wird in rechten Kreisen seitdem wie eine Ikone verehrt. Odins dunkle Krieger Letzten Sommer gelangte mit der, durch öffentlichen Druck erzeugten, Absage des einschlägigen VAWS-Festivals ein weiterer Aspekt rechtsextremer Musik an die (interessierte) Öffentlichkeit: Gothic bzw. Dark Wave. Dort wo die Gothic-Szene in Mystizismus, Esoterik, germanische Sagen und Neuheidentum schwelgt, findet man die Schnittstellen zu rechter Ideologie. Da kommt es dann mitunter schon vor, wenn gezielt Anleihe an Himmlers SS-Mystizismus genommen wird und ganz unbekümmert dessen Symbole – schwarze Sonne, SS-Totenkopf, etc. – hervorgekramt werden. Nicht umsonst kümmern sich das NPD-Organ „Deutsche Stimme“ und die „Junge Freiheit“ immer wieder um Themen aus der Gothic-Szene. Info-Box Rechte Codes
DJ Adolf „Friede, Freude, Eierkuchen“ war ein Motto der, ursprünglich als politische Demonstration durchgeführten, Berliner Love-Parade. Dass Teile der Techno-Szene und Paraden-Organisator Matthias Roeingh (besser bekannt als Dr. Motte) im Besonderen wenig Berührungsängste mit rechtem Gedankengut haben, scheint da kein Widerspruch zu sein. So empfahl Roeingh im Vorfeld einer der Paraden den Juden der Welt „sie sollten doch mal eine neue Platte auflegen und nicht immer nur rumheulen“. Aber nicht nur die vergleichsweise fröhliche Love Parade als Groß-Event der „unpolitisch“ geltenden Techno-Szene hat Probleme mit rechten Rülpsern. So hat vor allem die Gabba-Szene (Gabba ist eine sehr harte und schnelle Variante von Techno) mit einem veritablen Image-Problem zu kämpfen. Hauptgrund dafür ist wohl, dass Leute auf Gabba-Parties für das ungeschulte Auge nur schwer von den, als Rechte gebrandmarkten, Skins zu unterscheiden sind. Das hat einerseits damit zu tun, dass die Haartracht recht ähnlich, nämlich gering, ist und andererseits viele ehemalige Skinheads in die Gabba-Szene übergewechselt sind. Der Grund für diesen „Szenen-Wechsel“ liegt teilweise an der schwindenden Attraktivität der Skin-Szene aber auch an der weit weniger lustfeindlichen Atmosphäre der erlebnisorientierten Parties. Da das Potential für die Durchdringung der Szene mit rechtem Gedankengut aber durchaus vorhanden ist, mag es nicht verwundern, dass immer wieder Tracks von „DJ Adolf“ oder Titel wie „Powerstation Holocaust“ auftauchen. Rechte Barden Aber nicht nur bei den aktuellen musikalischen Favoriten nimmt rechte Propaganda ihre Anleihen. Als musikalisches Bindeglied zwischen aufrechten alten Kämpfern und rechtsextremen Jugendlichen eignen sich Rechtsrock und Techno ja nur bedingt. Was liegt also näher als der Rückgriff auf den traditionellen Liedermacher, diesmal nur mit anderen politischen Vorzeichen. Wenn etwa Frank Rennicke, der sich musikalisch auf Hannes Wader und Reinhard Mey beruft, davon singt, wie stolz er sei „deutsch zu fühlen“ und vor der Überfremdung durch „Snackbars und Kolchosen“ warnt, findet er Alt wie Jung einen gemeinsamen musikalischen Nenner. Dress Codes Ein weites Feld mit breitem Interpretationsspielraum bilden rechtsextreme Kleidungs-Codes. Weiße Schuhbänder, Bomberjacken, „Fred Perry“- und „Lonsdale“-T-Shirts (oder T-Hemden, wie es so schön heißt) sind die vermeintlichen Erkennungsmerkmale von Rechtsextremen und Nazi-Skins. Doch bei genauerer Betrachtung lassen sich hier selten allgemein gültige Erkenntnisse finden. So werden die klassisch „rechten“ weißen Schuhbänder sowohl von rechten, linken als auch „unpolitischen“ Skins getragen, halt jeweils mit anderer Interpretation. Mal als Zeichen für die weiße Rasse, mal als Zeichen der Verbindung zwischen Schwarz und Weiß. Ebenso diffizil ist es mit den „Lieblings-T-Shirts“ der Rechten. „Fred Perry“-Hemden wurden auf Grund des Lorbeerkranzes und der Farbkombination der Kragenstreifen (ergeben bei einem Modell die Farben der Reichskriegsflagge) und „Lonsdale“-T-Shirts auf Grund des Schriftzuges, der bei darüber getragener Jacke NSDA (als Anspielung auf NSDAP) zum Vorschein bringt, zu rechten Lieblingsmarken. Nach der Vereinnahmung durch Rechtsextreme startete etwa Lonsdale eine Kampagne unter dem Motto „Lonsdale loves all colours“, Fred Perry stoppte gar die Auslieferung an rechte Versandhäuser. Übrigens Der deutsche Bundesgerichtshof hat am 10. März 2005 das Urteil des Kammergerichts Berlin gegen „Landser“ bestätigt, worin diese als kriminelle Vereinigung eingestuft wurde. Sänger Michael Regener wurde zu rund dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Quelle:Robert Strayhammer |